Sprich zum Leben so: Verlier ich dich, so geb'ich hin, was nur ein Tor festhielte. Sprich: Du bist ein Hauch, abhängig jedem Wechsel in der Luft, der diese Wohnung, die dir angewiesen, stündlich bedroht. Du bist nur Narr des Todes; den durch die Flucht strebst du ihm zu entgehn und rennst ihm ewig zu. Du bist nicht edel; denn alles Angenehme, das dich freut, erwuchs aus Niederm. Tapfer bist du nicht; du fürchtest ja die zartgespaltne Zunge des armen Wurms. Dein bestes Ruhn ist Schlaf. Den rufst du oft und zitterst vor dem Tod, der doch nichts weiter. Du bist nicht du selbst; denn du bestehst durch Tausende von Körnern, aus Staub entsprossen. Glücklich bist du nicht: Was du nicht hast, dem jagst du ewig nach, vergessend, was du hast. Du bist nicht stetig: Dein Seelenzustand wechselt seltsam launisch mit jedem Mond. Reich, bist du dennoch arm. Dem Esel gleich, der unter Gold sich krümmt, trägst du den schweren Schatz nur einen Tag, und Tod entlastet dich. Freund'hast du keine; denn selbst dein Blut, das Vater dich begrüßt, die Wirkung deiner eignen innern Kraft, flucht deiner Gicht, dem Aussatz und der Lähmung, daß sie nicht schneller mit dir enden. Du hast zu eigen Jugend nicht noch Alter, nein, gleichsam nur 'nen Schlaf am Nachmittag, der beides träumt; denn all dein Jugendglanz hat nichts voraus und fleht vom welken Alter die Zehrung sich: Und bist du alt und reich, hast du nicht Glut noch Triebe, Mark noch Schönheit, der Güter froh zu sein.
Weitere Zitate des Autors
- Des Scherzes Anerkennung ruht im Ohr des Hörenden allein, nicht in der Zunge des, der ihn spricht.
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