Ich habe immer Distanz gehalten. Ich habe das ganz primitiv gesehen. Ich habe mir gesagt: Okay, mit dem freunde ich mich an, bin befreundet, das ist ein interessanter Mensch, egal von welcher Partei, und eines Tages kommt eine Situation, wo ausgerechnet ich vor ihm stehe und sage: 'Lieber Freund, jetzt müssen Sie eigentlich zurücktreten!'Das heißt, ich muß auf seiner Karriere, seiner Lebensplanung und auf dem allem herumtrampeln, und zwar nicht, weil ich ein böser Mensch bin, sondern weil es die Situation verlangt und weil ich zufällig der bin, der vom Fernsehen geschickt wird. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Ich kann sagen: Schickts wen anderen. Was nicht immer geht. Und der Beurteilung wollte ich mich nie aussetzen, ob ich den dann so frage, wie ich ihn fragen muß. Denn die zweite Möglichkeit wäre: Meine Fragestellung, mein Zugang sind gefärbt, einerseits von der Freundschaft oder, was mindestens genauso gefährlich ist, von einer Überhärte, weil ich mir, ihm, und vor allem allen in der Redaktion, die ja wissen, daß ich mit ihm befreundet bin, beweisen muß, daß ich auch einen Freund 'fertig machen'kann. Das ist nicht lustig, einen Politiker vor laufender Kamera zu fragen, ob er jetzt nicht zurücktreten muß. Jetzt nicht diese 08/15-Frage: 'Werden Sie Konsequenzen ziehen?'- 'Nein ich werde keine ...'
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